Abgeschickt von Roland Heynkes am 09 Juli, 2003 um 10:54:02
Antwort auf: Gene der Bauplan- alle TSE sind erblich von Martin Poschner am 18 Juni, 2003 um 13:05:46:
Sie verbreiten hier eine krude Mischung aus Fakten, Fehlinformationen und wissenschaftlich nicht haltbaren Mutmaßungen.
Es gibt genetisch bedingte Formen der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit und zumindest fast immer genetisch bedingt sind das Gerstmann-Sträußler-Scheinker-Syndrom und die tödliche familiäre Insomnie. Aber außer diesen genetisch bedingten Formen von Prionkrankheiten des Menschen sind keine erblichen Prion-Krankheiten bekannt. Bei Scrapie, dem Cronic-Wasting-Disease, der Nerz-TSE, BSE und den TSE bei Hauskatzen und Zootieren konnten bisher erblichen Formen nachgewiesen werden.
Im Gegenteil wurde in zahlreichen Experimenten nachgewiesen, daß die TSE auch oral übertragbare Krankheiten sind. Und sieht man sich einmal in der britischen BSE-Statistik die Wirkung des ersten Verfütterungsverbotes vom 18. Juli 1988 genau an (http://www.heynkes.de/peaks.htm#EdVabgR), dann sieht man eindeutig, daß die allermeisten britischen BSE-Fälle auf infektiöses Futter und nicht etwa auf Inzucht zurückzuführen sind. Auf erblich bedingte BSE-Fälle hätte ein Tiermehl-Verfütterungsverbot nämlich überhaupt keinen Effekt haben können.
Es gibt Varianten (Allele) des Prionproteingens, die eine Infektion erleichtern und die Inkubationszeit verkürzen. Aber einen absoluten Schutz bietet kein Allel, wie kürzlich ein deutsches Schaf zeigte, welches trotz der Allele ARR/ARR an Scrapie erkrankte. Dieses Schaf wurde nicht künstlich infiziert. Bei Rindern ist überhaupt kein Allel bekannt, welches vor BSE schützen oder im Gegenteil besonders empfänglich für BSE machen könnte. Und beim Menschen gibt es ebenfalls keine Resistenz gegen TSE-Erkrankungen. Zwar wurde die neue CJK-Variante bisher nur beim Menschen mit einem Methionin an der Position 129 des Prionproteins gefunden, aber das ist bei rund 40% der europäischen Bevölkerung der Fall. Menschen mit einem Valin an dieser Position erkrankten auch bei der Kuru-Epidemie später und wer von Vater und Mutter unterschiedliche Allele geerbt hat (M/V-heterozygot), hat einfach eine stark verlängerte Inkubationszeit. Schon deshalb wurden solche Fälle von nvCJK bisher noch nicht gefunden, aber ein absoluter Schutz ist das nicht. Und ach deshalb ist es Unfug, von BSE durch Inzucht zu sprechen.